(ra) Prävention statt Reparaturbetrieb: Bei den Beratungen zum Jugendhilfe-Haushalt im Landkreis Straubing-Bogen wird deutlich, wie schnell aus Zahlen eine Grundsatzdebatte wird. Die SPD-Kreistagsfraktion setzt auf Vorsorge – und warnt vor Sparparolen bei Pflichtaufgaben.
Bei den weiteren Beratungen zum Kreishaushalt 2026 am Freitag im kleinen Sitzungssaal des Landratsamtes zog Martin Kreutz, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, ein klares Fazit: „Jeder Euro, den wir heute in die Prävention investieren, spart uns morgen ein Vielfaches an Folgekosten in den Sozialkassen. Vorsorge ist deshalb nicht nur sozial richtig, sondern auch finanziell klug investiert. Wir stehen außerdem voll und ganz hinter der engagierten und qualifizierten Arbeit der Beschäftigten im Amt für Familie und Jugend.“ Zuvor hatte Jugendamtsleiterin Gerlinde Gietl den Kreisrät*innen Ausgaben und Einnahmen sowie Fallzahlen in ihrer Abteilung ausführlich vorgestellt.
Kreisrat Fritz Fuchs ging dabei auch auf Kritik von mancher Seite an den Kosten der Jugendhilfe ein. Es werde übersehen, dass es sich bei fast 100 Prozent um Pflichtaufgaben handle, die zu erfüllen seien.
Fritz Fuchs:
„Wer hier vom Sparen spreche, betreibe „puren Populismus“ oder habe wenig Ahnung von der Materie.“
Bürgermeister und Kreisrat Martin Panten betonte, er freue sich darüber, dass die Medienpädagogin des Landkreises mit ihrer Arbeit ein so hohes Ansehen genieße. Das habe sich auch beim zweiten Bayerischen Jugendhilfe-Fachtag gezeigt. Panten fügte hinzu, jeder junge Mensch habe ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit.
Auf Nachfrage von Kreisrat Josef Eisenhut erläuterte Gerlinde Gietl, das Amt für Jugend und Familie nehme alle Aufgaben des Kinder- und Jugendhilfegesetzes wahr. Es biete Kindern, Jugendlichen, Eltern und Familien rechtliche und finanzielle Hilfen an. Für pädagogische Fragen sei der Soziale Dienst für Jugend und Familie zuständig. Grundsätzlich bestimme das Kinder- und Jugendhilfegesetz den Rahmen des Handelns. Darüber hinaus sei man bestrebt, durch Zusammenarbeit mit anderen Institutionen die gemeinsame Arbeit zum Wohl der Kinder und Jugendlichen so effektiv wie möglich zu gestalten.
Einleitend hatte Gietl die Jugendhilfe seit Jahren als „vom Krisenmodus gebeutelt“ beschrieben – von Corona bis zum derzeitigen Arbeitsmarkt, „der ist, wie er ist“. Die Zahlen spiegelten die gesamtgesellschaftliche Entwicklung wider. Daraus entwickelte sich ein längerer Diskurs über die Auswirkungen neuer, sogenannter sozialer Medien von der Mobiltelefonie bis zu Facebook auf die psychische Gesundheit – nicht nur der jungen Generation. Diese Entwicklung erfolgreich in den Griff zu bekommen, sei eine der größten Herausforderungen für die Gesellschaft.
