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Niederbayern: Sollen 180 Hektar Boden für landwirtschaftliches Kernwegenetz betoniert werden?

(ra) Als “Kulturlandschaft-Vernichtungsprogramm ersten Ranges“ bezeichnete am Dienstag die grüne Landtags-Abgeordnete Rosi Steinberger den geplanten Ausbau des landwirtschaftlichen Kernwegenetzes in Niederbayern. Wie aus der Antwort auf die schriftliche Anfrage „Kernwegenetz in Niederbayern“ hervorgeht, werde derzeit der Ausbau von Feldwegen generalstabsmäßig geplant.

Einerseits sollen vorhandene Wege um insgesamt einen Meter verbreitert werden, sowie andererseits Grünwege zu befestigten Wegen ausgebaut, sprich asphaltiert werden. Allein für die Gemeinden, die bisher einen Förderantrag gestellt haben, sehen die Pläne einen Ausbau von 1802 Kilometern vor. “Das würde einer Wegelänge von Landshut bis nach Valencia in Spanien oder Glasgow in Schottland entsprechen“, sagt Rosi Steinberger fassungslos.

Allein in der Prioritätsstufe 1 befinden sich Projekte mit einem geschätzten Kostenvolumen von zirka 121 Millionen Euro, welche in den nächsten Jahren realisiert werden sollen. Die Gesamtinvestitionskosten für alle Maßnahmen werden bisher auf rund 541 Millionen Euro beziffert. Finanziert werden soll der massive Flächenverbrauch über EU-Gelder, bayerische Staatsgelder und von den betreffenden Kommunen.

Rosi Steinberger: „Ein derart massiver Ausbau der Wege wird einer weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft Vorschub leisten. Sinnvoller und notwendiger wäre die Unterstützung regionaler Wertschöpfungsketten und Förderung von ökologischen Leistungen.“ Die Abgeordnete kritisiert zudem die mangelnde Beteiligung der Öffentlichkeit. An der Erarbeitung der Kernwegenetzkonzepte ist neben den Kommunen der ILE (Integrierte Ländliche Entwicklung) und den Behörden zwar der Bauernverband mit am Tisch, die Umweltverbände bleiben aber außen vor. Derzeit werden lediglich mögliche Handlungsempfehlungen zur frühzeitigen Einbindung der Umweltverbände untersucht. “Eine transparente Planung sieht anders aus“, gibt Steinberger zu bedenken.