Mit King of Luck von der Spielhalle auf den Bildschirm
(jh) Es ist keine übermäßig große Leuchtreklame, die im Bereich der Eingangstür darauf Aufschluss gibt, was sich hinter den Mauern verbirgt. Auch morgens – kurz nach 9 Uhr – leuchtet sie. In diesem Moment tritt ein Mann ins Freie, geschätzt Anfang die Sechzig. Aus seiner Hosentasche zieht er ein Zigarettenetui. Beim Öffnen kann man ein paar dunkle Zigarillos erkennen. Eine davon holt er sich heraus und zündet sie mit einem Billigfeuerzeug an. Es sind kurze Züge, die er nimmt. Der Mann wirkt etwas nervös – kein Wunder wie in einem folgenden Gespräch zu Tage kommt.
Hubert R. (Name geändert) ist tatsächlich 61 Jahre, seit vier Jahren schuldlos arbeitslos – ohne Aussicht auf einen neuen Job. Und dabei hatte er sich noch so viel vorgenommen, hatte noch viele Wünsche. Von seinen früheren Reisen sind nur noch die Erinnerungen geblieben. Neue Reisepläne? Ja, mehrere – aber ohne Geld? Seit über einem Jahr kommt Hubert R. jeden Monat kommt mindestens einmal hierher – in die Spielhalle.
Er riskiert jedes Mal einen „Fuffi“ (50 Euro). „Mehr kann ich nicht einsetzen“, gesteht er und zugleich hat er sich diese Summe als äußerstes Limit gesetzt. Schon öfters hatte er von Leuten gehört, die dem Zocken verfallen waren und am Schluss nicht einmal mehr ihre Miete zahlen konnten, infolgedessen „unter der Brücke“ landeten. „Nein, so weil möchte ich nicht kommen“, hat er sich vorgenommen.
Wie die Süddeutsche Zeitung kürzlich berichtete, zocken hierzulande zwischen 1,5 und zwei Millionen Menschen zocken an den flirrenden Automaten in Spielhallen und Kneipen, mehr als 316 000 der Geräte fressen das Geld der Spieler. Der Umsatz mit den Automaten hat sich seit 2005 annähernd vervierfacht. Heute gibt es etwa 9000 Spielhallen-Konzessionen im Bundesgebiet.

Wer in Bayern eine Konzession haben will, muss sich bei der Kreisbehörde oder dem Rathaus einer kreisfreien Stadt bewerben. 5,8 Milliarden Euro Umsatz wurden im vergangenen Jahr an Geldspielgeräten in Deutschland gemacht. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Analyse der Berliner Marktforschungsfirma Goldmedia hervor.
Hubert R. hat von „Spielhallen“-Bekannten gehört, dass auch im Internet sein Glück versucht werden kann. „Ob an Automaten im Spiele-Center oder auf dem Bildschirm, zocken bleibt zocken“, meint er. Dennoch schätzt er sich zu den wenigen, die ausschließlich am den Metallkästen ihr Glück versuchen. Hin und wieder geht er sogar mit ein paar Euro mehr nach Hause, als er vorher in seinem Geldbeutel hatte. Noch hat er zu wenig Ahnung, wie es im Internet funktioniert.
Dabei erlebt die Glückspielbranche online einen wahren Ansturm, denn auch dort finden die Zocker ihren bekannten Spielautomaten King of Luck oder andere Glücksbringer. Das Spiel „Alles Spitze“ kennen viele aus den Spielhallen-Automaten und viele suchen es auch bestimmt online. Den Namen von „Alles Spitze“ haben die Betreiber aber in King of Luck verändert. Die Vermutung liegt darin, dass es so auch für nicht deutschsprachige Spieler attraktiver wird und über die Grenzen hinaus an Beliebtheit noch hinzu gewinnt.
Hubert R. hat von einem Bekannten erfahren, dass anstatt dreier Walzen, die sich drehen, drei Türme hinzu kommen, die gefüllt werden müssen. Je nachdem, welches Symbol auf der einen Walze erscheint, füllen sich die Türmchen beliebig hoch. Kommst man bis ganz nach oben, wird dieser Gewinn ausgeschüttet. Sein Bekannter hat ihm aber geraten: „Aber Vorsicht, kommt das Teufelchen, ist alles weg. Insgesamt können bei dem Spiel drei Jackpots geknackt und einige andere Gewinne abgesahnt werden.“
Dieses Spiel garantiert somit Spannung pur und für den Zocker fantastischen Spielspaß. Ob Hubert R. demnächst online sein Glück versuchen wird, weiß er heute noch nicht. „Ich möchte mir meine Wünsche demnächst und nicht irgendwann erfüllen“, schließt er nicht aus, auch online sein Glück zu versuchen.