IHK: Risiko Fachkräftemangel und Chance Digitalisierung
(ra) Der Austausch zwischen Wirtschaft und Politik stand am Dienstag auf der Tagesordnung des IHK-Gremiums Dingolfing-Landau bei einer Sitzung im Technologiezentrum PULS in Dingolfing. Erwin Huber, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses, traf hier auf die regionalen Unternehmer des Gremiums um dessen Vorsitzenden, IHK-Vizepräsident Claus Girnghuber.

Huber zog die Linie von der internationalen Politik bis zu ihren konkreten Auswirkungen auf die Wirtschaft in der Region. Er zeigte sich besorgt, dass angesichts des Brexits und einer stärkeren Abschottungspolitik der USA unter Donald Trump der internationale Austausch von Waren und Dienstleistungen beeinträchtigt werden könnte, was der niederbayerischen Wirtschaft, die stark auf Export ausgerichtet ist, zum Nachteil gereichen würde. Bei den Unternehmern stieß er damit ebenso auf Zustimmung, wie mit seiner Forderung nach einem Ausbau der Verkehrswege auf Straße und Schiene.
„Am Geld mangelt es derzeit nicht“, betonte Huber, Engpässe entstünden aber durch das Baurecht. Den größten Nachholbedarf sieht er für Bayern bei den großen Verbindungsachsen auf der Schiene wie etwa der Bahnstrecke von Würzburg über Nürnberg, Regensburg nach Passau und weiter via Wien nach Budapest. Für den Ausbau dieser Strecke hatten sich auch die von der IHK Niederbayern vertretenen Unternehmer bereits ausgesprochen.
Ein weiteres Thema, das die Unternehmer in die Diskussion einbrachten, war die Energieversorgung. „Ich glaube, dass wir die Stromversorgung sichern können“, sagte Huber. Er rechnet aber mit weiter steigenden Energiepreisen – eine Entwicklung, die in den IHK-Konjunkturumfragen von den Unternehmern als Risiko gesehen wird, ebenso wie der Fachkräftemangel. „Im Mittelstand wird der Kampf um die Mitarbeiter noch härter werden“, betonte der Abgeordnete und erntete dafür Kopfnicken im Gremium. Der Fachkräftemangel sei ein „limitierenden Faktor“ für die Wirtschaft. Migration und Flüchtlinge könnten dies nur zu einem kleinen Teil ausgleichen.
Rege diskutiert wurde im Gremium das Thema Digitalisierung. Huber verlangte von den mittelständischen Betrieben, hier noch schneller voranzugehen. Der Gremiumsvorsitzende Girnghuber forderte in diesem Zusammenhang eine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung in den Unternehmen. „Das deutsche Steuerrecht hinkt da erheblich nach“, bestätigte Huber. Bei diesem Punkt schaltete sich der Hausherr in die Diskussion ein, Professor Sven Roeren, Leiter des „An-Instituts“ am Technologiezentrum und damit des eher wirtschaftlich orientierten Teils von PULS.
Der Erfolgsfaktor des deutschen Mittelstands sei seine Flexibilität und sein Pragmatismus, erläuterte Roeren. Genau daran wolle man im Technologiezentrum anknüpfen, das ausdrücklich nicht nur großen Industriebetrieben, sondern gerade auch kleinen und mittleren Unternehmen offen stehe. „Effizienz schlummert in jedem Unternehmen und in jeder Produktion“, meinte Roeren. Er führte die Teilnehmer der Sitzung im Anschluss durch die „Laborfabrik“ des Technologiezentrums.