Bauen & WohnenTechnik

Hilfreiche Neuerungen für Käufer und Betreiber von Stecker-Solaranlagen

(ra). Stecker-Solaranlagen sind aufgrund der Energiekrise spätestens seit 2022 auf dem Vormarsch! Sie finden in der Breite der Gesellschaft immer mehr Anwendung, denn im Gegensatz zu großen Photovoltaikanlagen lassen sie sich durch Verbraucher montieren, ans Stromnetz anschließen und in Betrieb nehmen.

Früher lange Zeit in der Grauzone, ist der eigenständige Anschluss von Stecker-Solaranlagen an eine gewöhnliche Steckdose mittlerweile gestattet. Seit 2023 gelten zudem steuerliche Erleichterungen beim Kauf von Stecker-Solaranlagen.

Stecker-Solaranlagen schnell und leicht montiert
Stecker-Module lassen sich schnell und leicht montieren – Foto: priwatt

Die Solarstromerzeugung mittels Photovoltaikanlagen (kurz: PV-Anlagen) hat sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte stetig weiterentwickelt. Verbesserte Zelltechnologien für mehr Stromerzeugung in den Solarmodulen, höhere Qualität der Anlagenkomponenten, Agri-Photovoltaik als Kombination von Landwirtschaft und Stromerzeugung und nicht zu vergessen: die Entwicklung der Stecker-Solaranlagen.

Die Stecker-Solaranlagen als kleine PV-Anlagen, die an eine haushaltsübliche Steckdose angeschlossen werden, sind eine wichtige Erfindung. Dank der Einspeiseleistung von maximal 600 Watt und den im Vergleich zu großen Photovoltaikanlagen geringen Anschaffungskosten sind Stecker-Solaranlagen für nahezu jede Person finanzierbar. Auch Mieter in Wohnblöcken können, wenn sie beispielsweise eine spezielle Solaranlage für den Balkon wählen, mithilfe der kleinen PV-Anlagen eigenen Strom erzeugen und nutzen, um die Stromkosten zu senken und mehr Unabhängigkeit in der Stromversorgung zu erlangen.

Werbung

Bis es rechtlich eindeutig erlaubt war, steckerfertige Solaranlagen per Schuko-Stecker selbst an eine haushaltsübliche Steckdose anzuschließen, war es ein weiter Weg. Unbegründete Sicherheitsbedenken und die Lobby der Energieversorger standen einer weiten Verbreitung der Stecker-Solaranlagen im Wege. Anfang des Jahres 2023 ist davon kaum etwas zu vernehmen, denn zahlreiche gesetzliche Neuerungen machen den sicheren Betrieb von Stecker-Solaranlagen möglich. Die jüngste Neuerung senkt sogar die Anschaffungskosten für Stecker-Solaranlagen.

Ab 2023: Keine Mehrwertsteuer auf Stecker-Solaranlagen

Wer im Jahr 2023 eine Stecker-Solaranlage kauft, muss keine Mehrwertsteuer zahlen. Diese Steuer, die auf den eigentlichen Verkaufspreis von Produkten aufgeschlagen wird und bei Stecker-Solaranlagen zu einem um 19 % höheren Verkaufspreis führte, entfällt ab dem 1. Januar 2023. Bei Photovoltaikanlagen mit bis zu 30 kWp (Kilowatt-Peak) Leistung, was Stecker-Solaranlagen mit einschließt, entfällt mit der Mehrwertsteuer ein wesentlicher Kostenfaktor.

Von dem Steuererlass betroffene Anlagenkomponenten

Für Käufer von Stecker-Solaranlagen bedeutet der Erlass der Mehrwertsteuer eine Ersparnis von über 100 Euro im Vergleich zum Kauf im Vorjahr. Von dem Erlass betroffen sind alle Komponenten, die zu einem Mini-PV-Set gehören. Wer z. B. auf priwatt.de ein fertiges Mini-PV-Set für den Balkon kauft, muss auf alle für den Betrieb der Stecker-Solaranlage erforderlichen Komponenten keine Mehrwertsteuer zahlen. Dies umfasst die folgenden PV-Bestandteile:

  • Solarmodule
  • Modulhalterung/-befestigung
  • Wechselrichter
  • Kabel und Stecker

Lediglich auf nicht notwendiges Zubehör, wozu beispielsweise Messsysteme zur Messung der Performance der Stecker-Solaranlage gehören, fällt Mehrwertsteuer an.

Größere Kostenvorteile durch Steuererlass

Mit dem Erlass der Mehrwertsteuer geht für Käufer eine Ersparnis von knapp über 100 Euro einher, wenn man für ein Kostenbeispiel von einer Stecker-Solaranlage mit zwei Solarmodulen und einer Einspeiseleistung von 600 Watt ausgeht. Legt man einer Beispielrechnung einen Strompreis von 33,5 Cent pro kWh zugrunde und geht von einer Erzeugungsleistung von 600 kWh pro Jahr durch die 600W-Stecker-Solaranlage aus, so erhält man durch den selbst erzeugten und selbst genutzten Strom eine Jahresersparnis in Höhe von 201 Euro.

Eine Stecker-Solaranlage, die dank dem Erlass der Mehrwertsteuer knapp über 100 Euro günstiger ist, amortisiert sich also um ein halbes Jahr schneller. Anstatt die Anschaffungskosten für die Stecker-Solaranlage nach zum Beispiel fünf Jahren durch die Stromersparnisse wieder reingeholt zu haben, refinanziert sich die Anlage schon nach 4,5 Jahren. Üblicherweise liegt der Zeitraum, bis sich die Stecker-Solaranlage refinanziert, bei 4,5 bis 6 Jahren, sofern die Module im 40°-Winkel positioniert und gen Süden ausgerichtet sind. Sollten nicht derart vorteilhafte Bedingungen vorliegen, dann refinanziert sich die Stecker-Solaranlage innerhalb von höchstens zirka acht Jahren.

Stecker-Solaranlagen passen an jeden Balkon
Vom Solar-Panel direkt den Strom nutzen – Foto: Priwatt

Wichtigste Neuerung: Erlaubnis zum Anschluss per Schuko-Stecker

Der Schuko-Stecker ist ein haushaltsüblicher Stecker, den Verbraucher von Geräten mit einer hohen Leistung (zum Beispiel Waschmaschine, Kühlschrank) kennen dürften. Ob die Stecker-Solaranlagen über einen Schuko-Stecker selbst angeschlossen werden dürfen oder ob eine Elektrofachkraft eine normkonforme Wieland-Steckdose installieren und die Anlage per Wieland-Stecker anschließen muss, ist teilweise nach wie vor strittig. Es ist derzeit in der Diskussion, den Anschluss per Schuko-Stecker eindeutig zu erlauben und damit den Konflikt um den Selbstanschluss von Stecker-Solaranlagen ein für alle Mal aus der Welt zu schaffen.

Bisher pocht der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) darauf, dass Stecker-Solaranlagen ausschließlich über einen normkonformen Anschluss ans Hausnetz angebunden werden. Allerdings vergessen die Gegner des Schuko-Steckers eines: Laut Gesetz ist es nur verpflichtend, dass Stecker-Solaranlagen und deren Anschluss den anerkannten Sicherheitsstandards entsprechen. Dies ist auch bei einem Schuko-Stecker der Fall. Angesichts der Tatsache, dass das Gesetz über den Normen steht, dürfen Stecker-Solaranlagen per Schuko-Stecker ans Hausnetz angeschlossen werden – hierbei ist aus Gründen der Sicherheit allerdings zu beachten, dass die maximale Einspeiseleistung 600 Watt beträgt. Der Wechselrichter, der den Strom aus den Modulen umwandelt und letztlich ins Hausnetz weiterleitet, sollte somit auf eine Nennleistung von 600 Watt ausgelegt sein.

Werbung

Die Tatsache, dass Verbraucher die Stecker-Solaranlage per Schuko-Stecker selbst anschließen dürfen und keine Elektrofachkraft beauftragen müssen, trägt zu Kostenvorteilen bei, da weder die Materialkosten für eine normkonforme Steckdose und einen normkonformen Anschluss noch die Kosten für die Leistung der Elektrofachkraft bezahlt werden müssen.

Es bleibt abzuwarten, welche gesetzlichen Neuerungen mit Auswirkungen auf die Stecker-Solaranlagen es in diesem Jahr noch geben wird. Beispielsweise ist eine Erhöhung der Leistungsgrenze auf 800 Watt Einspeiseleistung in der Diskussion. Dies würde Verbrauchern die Möglichkeit verschaffen, noch mehr eigenen Strom zu erzeugen und höhere Ersparnisse bei den Stromkosten zu erzielen.

Fürs Erste ist die Anschaffung und Nutzung von Stecker-Solaranlagen bereits ausreichend einfach, um online die passende Anlage für den individuellen Aufstellort zu kaufen, selbst aufzubauen, ans Stromnetz anzuschließen und den grünen Strom zu nutzen. Jeder Verbraucher, der über ausreichend Geld zum Kauf einer Anlage mit mindestens 300 Watt oder bestenfalls 600 Watt Einspeiseleistung verfügt, sollte sich die Chance auf eine Stromersparnis nicht entgehen lassen.