Region Landshut

„Gift“ – eine Ehegeschichte im kleinen theater

(ra)  Wer zu sich selbst will, muss durch den Schmerz hindurch. Wer auf diesem Weg inne hält, droht, für immer im Schmerz stecken zu bleiben. Die niederländische Autorin Lot Vekemans geht in ihrem Zwei-Personen-Stück „Gift“ mitten hinein in diesen Prozess, genau beobachtend und scharf analysierend. Am kleinen theater in Landshut findet die Premiere des Stück „Gift“ am Freitag, 7. Oktober um 20 Uhr statt. 

Lot Vekemans intensives Dialoggewitter erzählt von einem namenlosen Mann und einer namenlosen Frau, die vor neun Jahren ihr Kind verloren haben. Dann sich selbst. Dann einander. In der Millenniums-Silvesternacht 1999 ging die Tür zwischen ihnen zu, seitdem wurde sie nie mehr geöffnet. Nun treffen sie sich wieder: auf dem Friedhof. Der tote Sohn muss umgebettet werden, im Boden soll Gift gefunden worden sein. Die Frau und der Mann schauen sich an, bohren sich den anderen hinein, traktieren sich – und sehen doch nur eine gescheiterte „Ehegeschichte“. Gescheitert, aber noch lange nicht abgeschlossen. Ein Dialog beginnt, wie ein Tauchgang in die Untiefen der gemeinsamen Vergangenheit, durch die vielen Schichten des Schmerzes hindurch geht es auf- und abwärts…

Lot Vekemans beschreibt die Unmöglichkeit einer Zukunft, wenn sie keine klar abgeschlossene Vergangenheit hat. Im Sprechen und Aussprechen von Gedanken, im schmerzvollen Dialog der Erinnerung durchbrechen Mann und Frau die Schranken, die sich durch Schuld und Vorwürfe, Leid und Entfremdung aufgebaut haben – bis sie im Hier und Jetzt ankommen. Und dort setzt der Text schließlich das zentrale Zeichen: Bei sich sein kann der Mensch nur dann, wenn er ganz und gar in seiner Gegenwart angekommen ist. Da keimt, nach so viel Trauer, plötzlich Hoffnung.
Weitere Aufführungen: Samstag, 8. Oktober um 20 Uhr, Freitag 14. Oktober um 20 Uhr, Sonntag 30. Oktober um 19 Uhr

Abendkasse: jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn
Online-Karten: www.kleinestheaterlandshut.de