Federer und Nadal – die ewigen Kontrahenten
(ra). Legenden sind sie schon längst. Seit 2004 gab es weltweit nicht ein einziges Grand-Slam-Turnier ohne einen Auftritt von Roger Federer, Rafael Nadal oder dem erst 2003 ins Profilager gewechselten Serben Noval Djokovic zumindest im Halbfinale.
Dabei ist die freundschaftliche Rivalität zwischen Federer und Nadal immer wieder auch im Vorfeld für Schlagzeilen gut. 39 Mal haben sich die beiden Tennisgrößen im Laufe ihrer Karriere bislang auf dem Platz gegenübergestanden. Das jüngste Duell in Paris war das sechste bei den French Open. Kaum ein anderes Turnier hat vor allem für Federer eine ähnliche Bedeutung, weil es dem Schweizer nirgends so schwerfällt, sich gegen den vier Jahre jüngeren Spanier zu behaupten. Auch diesmal war ihm das Glück nicht hold, wobei vor allem kräftige Winde seinem Gegner das Spiel leichter machten und Federer behinderten.
Doch selten sind über viele Jahren zwei Spieler sich so ebenbürtig gewesen, wie auch die Tennis Quoten bei William Hill für die jeweilig bevorstehenden Begegnungen belegen. Bei aller Rivalität auf dem Court motivieren Federer und Nadal sich gegenseitig zu ständig neuen Höchstleistungen.
Drei Jahre lang hatte der 37 Jahre alte Federer, der im April 2019 als zweiter Spieler der Tennisgeschichte nach Jimmy Connors in Dubai den hundertsten Titel seiner Karriere gewann, in Paris gefehlt. Jetzt, mit dem Naherücken des endgültigen Abschieds vom aktiven Tennis, lockte ihn die Aussicht auf ein erneutes Match mit seinem härtesten Gegner zurück. Der Maestro Federer, der 2009 seinen einzigen French Open-Titel schaffte, gegen den Matador Nadal.

Noch liegt der Schweizer trotz der Pariser Niederlagen in Führung, was Rekorde anbelangt.
Die ersten Versuche mit dem Tennisschläger hatte Federer bereits als Dreijähriger gemacht, doch erst mit zwölf entschied sich das sportliche Multitalent 1993 gegen Fußball und für Tennis. Fünf Jahre später gelang ihm der Durchbruch mit dem Wimbledon-Sieg der Junioren.
Im darauffolgenden Jahr 1999 stand der Nachwuchsstar dann für seine erste vollständige Saison bei den „Großen“ als Profi auf dem Platz. Die French Open war sein erstes Grand-Slam-Turnier, auch wenn es nach vier Sätzen gegen den Australier Patrick Rafter für ihn vorbei war. Im Jahr darauf erreichte er sein erstes Finale in einem ATP-Turnier in Marseille und den Aufstieg in die Top 50 der Weltrangliste.

Auch wenn sich seine Karriere langsamer anließ als die von vergangenen Stars wie Boris Becker, reichte dem Schweizer olympischen Kommitee sein Talent für die Teilnahme an den olympischen Spielen in Sydney 2000. Als Vierter verpasste er nur knapp eine Medaille.
Auf seinen ersten großen Turniersieg musste er allerdings bis Februar 2001 in Mailand weiter warten. Stück für Stück schob Federer sich 2002 dank des Achtelfinales in Wimbledon und des Masters-Sieges in Hamburg in der Weltrangliste nach oben. Doch noch haperte es mit der Konsistenz.

Das sollte sich allerdings 2003 endgültig ändern. Federer holte nach vier Turniersiegen in Folge seines ersten Wimbledon-Titel. Im Jahr darauf setzte er sich einen Platz mit einem Sieg bei den Australian Open an die Weltranglistenspitze, den er erst im August 2008 abgeben musste. In der Zeit gelang ihm zudem eine ununterbrochenen Siegesreihe von 35 Spielen.
Direkt davor hatte er bei den French Open 2005 erstmals Rafael Nadal gegenübergestanden. Der Spanier stellte die größte Bedrohung für Federers Position dar, was er auch in Paris mit dem Titelgewinn demonstrierte.
Im Folgejahr besiegte der Matador den Schweizer dann gleich bei fünf Turnieren im Finale. In Wimbledon drehte Federer endlich den Spieß wieder um. Überhaupt wurde 2006 das beste Jahr seiner Karrriere, mit 16 Finalteilnahmen und zwölf Siegen in 17 Turnieren.
Ein Tiefpunkt war hingegen das Jahr 2013. Nach zehn Jahren war er erstmals nicht mehr unter den Top 5 zu finden. Verletzungen machten ihm auch in der Folgezeit zu schaffen, bis Federer 2017 mit dem Sieg über Rafael Nadal bei den Australian Open das Comeback schaffte und als ältester Grand-Slam-Champion seit 1972 ein Stück Tennisgeschichte schrieb. Sein achter Titel in Wimbledon bestätigte nicht nur seine Form, Federer setzte sich damit auch in der ewigen Bestenliste an die Spitze.
Das gleiche gelang ihm 2018 mit der Weltrangliste. Erstmals seit 2012 war Federer die erneute Nummer eins.

Wie auch der Schweizer stand sein ewiger Gegner Nadal vor der Entscheidung zwischen Fußball und Tennis. Der junge Mallorquiner gewann als Kind in beiden Sportarten Balearenmeisterschaften, bis der Tennissport den Sieg davontrug. Mit 15 Jahren wurde er Profi. Vier Jahre brauchte er bis zu seinem ersten Grand-Slam-Titel bei den French Open 2005. So wie Federer Wimbledon dominierte, wurde Paris zu Nadals Turnier. Zwölf Titel holte er dort bislang, im Vergleich zu Federers einsamem French Open-Sieg. Außerdem besitzt der Spanier etwas, was der Schweizer nie erreichte: eine olympische Goldmedaille von den Spielen 2008 in Peking.
Noch liegt Federer allerdings in etlichen Bereichen unangefochten an der Spitze. Mit 20 Grand-Slam-Titeln ist er der absolute Rekordhalter, obwohl Nadal bereits auf 18 Titel aufgeholt hat. Auch Djokovic, der dritte und mit 32 Jahren jüngste im Triumvirat der Größen, hat bereits 15 Grand-Slam-Titel geholt.
Bei den Australian Open hat Djokovic mit seinem siebten Sieg im Januar 2019 den sechs-fachen Titelträger Federer sogar schon überholt. Nadal hingegen hat in Melbourne noch nie gewonnen und auch erst zwei Mal den Einzug ins Finale gschafft.
Bei den so genannten Big Titles, die sich aus den vier Grand-Slam-Turnieren, den neun Masters-Turnieren, den ATP-Finals und Olympia zusammensetzen, liegt Federer mit 54 großen Titeln knapp vor Nadal und Djokovic, doch beide haben gute Chancen, noch in diesem Jahr an ihm vorbei zu ziehen.
Unangefochten ist Federers Position auf der Weltrangliste. Insgesamt stand der Maestro 310 Wochen auf Position eins, davon 237 Wochen in Serie. Der derzeitige Weltranglistenerste, Djokovic, hat 255 Wochen auf der Spitzenposition verbucht, davon Wochen ohne Unterbrechung. Im Vergleich dazu ist Nadal weit abgeschlagen, mit lediglich 196 Wochen als Nummer Eins und 56 Wochen in Serie.
Doch wie sich diese Tennissaison auch weiter entwickeln mag, Federer und Nadal sind die beiden Ausnahmetalente, auf die die Fans bei jeder Begegnung mit Spannung warten. Das wird auch Ende Juni in Wimbledon nicht anders sein, selbst wenn der Titelverteidiger in diesem Jahr Novak Djokovic heißt.