Die Lotterie in Deutschland – Geld gewinnen
(ra). Auf einen Schlag reich werden: Die Lotterie macht es möglich. Dabei setzen die Deutschen bevorzugt auf das traditionsreiche Lotto 6 aus 49, selbst wenn die Chancen auf den Hauptgewinn mit 6 Richtigen plus Superzahl bei 1:139.838.160 liegen und es damit statistisch gesehen deutlich wahrscheinlicher ist, vom Blitz getroffen zu werden. Die liegt in der Bundesrepublik nämlich im Schnitt bei “nur” 1:20 Millionen, ist also siebenmal wahrscheinlicher.

Und dennoch sind allein im Jahr 2021 in Deutschland insgesamt 181 neue Lottomillionäre in den Club der Großgewinner aufgenommen worden. Kein Wunder also, dass rund 22 Millionen Bewohner der Bundesrepublik zumindest gelegentlich beim Lotto tippen. Rund 7,1 Millionen Zocker versuchen regelmäßig ihr Glück.
Dabei ist die Auswahl unter den verschiedenen Lotterien so groß wie nie, und dank des allzeit verfügbaren Online-Glücksspiels sind Öffnungszeiten und Wochenenden keine Hürde mehr. Sogar Rubbellose online sind mittlerweile erhältlich. Obwohl Lotterien tatsächlich im Gegensatz zu vielen anderen Spielen ein reines Glücksspiel sind, haben so manche Ziehungen zu sensationellen Überraschungen geführt. Der bisher größte Einzelgewinn beim Samstagslotto 6 aus 49 wurde 2022 ausgeschüttet. Der erfolgreiche Tipper durfte rund 45 Millionen Euro kassieren, und das sogar steuerfrei. Erst wenn mit dem Geld durch Investitionen oder Anlagen Rendite gemacht wird, kassiert der Fiskus mit.
Der niedrigste Gewinn für 6 Richtige plus Superzahl wurde im Mai 1999 im Mittwochslotto ausgeschüttet. Damals hatten nämlich gleich 9 Zocker das richtige Näschen. Ihr Gewinn lag dadurch bei 208.089,56 Euro – weit entfernt vom Millionentraum. Das war allerdings noch gar nichts gegen die Ziehung am 23. Januar 1988, als sich sage und schreibe 222 Tipper den Hauptgewinn für 6 Richtige ohne Superzahl teilten. Auf sie entfiel pro Person ein Anteil von 43.359,55 Euro.
Der Traum vom großen Glück zum kleinen Preis ist dabei nichts Neues. Das Lotteriespiel in Europa reicht dabei bis ins Mittelalter zurück. Vorreiter waren im 14. Jahrhundert lotterieähnliche Spiele in Italien und Holland. Das niederländische Modell verbreitet sich rasch in den Nachbarländern und stand so auch in deutschen Landen Pate für das Lotteriespiel. Den Anfang machten dabei so genannte Glückshäfen und Glückstöpfe, die in Deutschland und der Schweiz vor allem bei Volksfesten wie dem Schützenfest angeboten wurden. Während es dabei ursprünglich um Sachpreise ging, wurden schon bald auch Geldpreise ausgelost.
Im 16. Jahrhundert wurde bereits im gesamten deutschen Sprachbereich Lotterie gespielt, was dazu führte, dass Obrigkeit und einflussreiche Leute deren Nützlichkeit entdeckten, für bestimmte Zwecke Geld einzuwerben. “Brandlottererien” trugen mit ihren Einnahmen zum Wiederaufbau abgebrannter Städte bei, während andere Lotterien dazu dienten, den Bau von Kirchen, Armenhäusern und Zuchthäusern zu finanzieren.
Eberhard Ludwig, Herzog zu Württemberg, finanzierte 1704 mit Hilfe einer staatlichen Leibrentenlotterie gar den Bau seines Schlosses und den Unterhalt seines Hofstaats.
Das Zahlenlotto stammt aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts und es wurde ursprünglich auf die Wahl von zwei Senatoren aus 120 Kandidaten gewettet. In Neapel wurde daraus das Zahlenspiel “5 aus 90”, obwohl der offizielle Name “Lotto di Genova”, also Lotto aus Genua lautete.

Das erste Zahlenlotto in Deutschland geht auf den Kurfürst Karl Albrecht von Bayern zurück, der ab 1735 damit seine leere Staatskasse sanieren wollte. In den badischen Territorien, in denen keine eigenen Lottoziehungen existierten, durften mit Erlaubnis der Markgrafen von Baden ebenfalls Lottozettel verkauft werden, so dass sich das Spiel schnell über die ursprünglichen Hoheitsgebiete ausbreitete.
Doch was die Lotterien vor allem für die Unterschichten attraktiv machte, nämlich die Aussicht auf satte Gewinne für einen niedrigen Einsatz, brachte gegen Ende des 18. Jahrhunderts einflussreiche Gegner des Glücksspiels hervor. Sie sahen eine Gefahr für die kleinen Leute, die womöglich ihr Hab und Gut verzockten oder, was moralisch als noch verwerflicher angesehen wurde, über dem Zocken ihre eigentliche Arbeit vernachlässigten. Trotz der begehrten Einnahmen für die Staatskassen beugten sich die ersten Landesfürsten dem Druck und verboten die ersten Lotteriespiele. Von den deutschen Staatslotterien blieben lediglich die Klassenlotterien erhalten. Die wichtigste davon war die Preußische Klassenlotterie, die sich ab 1832 im gesamten deutschen Reich ausbreitete.
Das Zahlenlotto in seiner jetzigen Form existiert erst seit 1955 und in Baden-Württemberg sogar erst seit 1958. Dabei wurde das Samstagsspiel genauso populär wie die Vorgänger aus den vergangenen Jahrhunderten. Die erste Zeitung von 6 aus 49 fand am 9. Oktober 1955 in einem Hamburger Hotel statt. Zwei Waisenkinder fungieren als Glücksfee. Die erste Zahl, die im modernen deutschen Lotto gezogen wurde, war ausgerechnet die 13, die sich dann über die Jahre hinweg zur am seltensten gezogenen Zahl entwickelte. Der erste große Gewinn ließ nicht lange auf sich warten, auch wenn es noch keine Million war. Ein Bauarbeiter aus Aachen schrieb in einer der ersten Ziehungen mit einer sechsstelligen Summe Lottogeschichte, und das in einer Zeit, als der durchschnittliche Jahreslohn eines Arbeiters bei unter 5000 Mark lag.
Dem Staatssäckel bescheren die treuen Lottospieler ebenfalls weiterhin verlässliche Einnahmen. Allein im Jahr 2019 brachte die Lotteriesteuer rund 1,497 Milliarden Euro ein. Im Folgejahr lag sie sogar bei 1,647 Millionen. Diese Einnahmen werden auf Bund, Länder und Gemeinden aufgeteilt. Jedes Bundesland bestimmt dabei, wieviel und wohin die Gelder fließen. Wie in den Anfangszeiten der Lotterien bleiben dabei die gemeinnützigen Zwecke nicht außen vor. Wenn auch keine angebrannten Städte wieder aufgebaut oder Armenhäuser errichtet werden, so profitieren stattdessen Sportvereine, Jugendeinrichtungen und der Kunstsektor von den Lotto-Tipps.
Das Wohl der Zocker, das einst zum Verbot vieler Lotterien geführt hatte, wird ebenfalls nicht ignoriert. Im neuen Glücksspielstaatsvertrag der Länder, der seit dem 1. Juli 2021 in der gesamten Bundesrepublik gilt, sind Maßnahmen zum Schutz der Spieler vor sich selbst enthalten. Pro Monat ist pro Spieler ein maximales Limit von 1000 Euro für Online-Glücksspiel aller Art erlaubt. Hinzu kommt, dass Zocker, die durch riskantes Verhalten Warnsignale ertönen lassen, in eine bundesweit geltende Sperrdatei aufgenommen werden.
Was die Gewinner mit ihrem potenziellen Riesengewinn anstellen, bleibt allerdings ihnen selbst überlassen, Nicht jeder kann dabei mit plötzlichem Reichtum umgehen. Walter Knoblauch, der 1956 eine halbe Million Mark gewann und zwei Jahre später noch einmal um 300.000 Mark reicher wurde, ist das beste Beispiel. Dem einstigen Artisten und Hausierer zerrann das Geld zwischen den Fingern. Er starb 1995 verarmt in einer Obdachlosenunterkunft. Falsche Freunde und windige Berater brachten den ersten echten Lottomillionär um sein Geld. Der damals erst 25 Jahre alte Gewinner hatte die besten Absichten, den Glücksfall nicht für unnötigen Luxus zu verschwenden, sondern ihn vernünftig zu investieren, nachdem er bereits einen erklecklichen Teil verschenkt hatte. Doch da er den falschen Leuten vertraute, stand er bald vor einem leeren Konto. Der als Lotto-Lothar berühmt-berüchtigt gewordene Millionengewinner, der seinen Reichtum mit Lamborghini und Goldketten deutlich zur Schau stellte, prasste nach Herzenslust drauflos, Als er an mehrfachem Organversagen starb, war von seinen 3,9 Millionen Mark noch eine halbe Million übrig.
Den Geldsegen nützlich verwendet hat hingegen Sigrid Peter-Leipold. Sie unterstützte von ihrem Millionengewinn ihren Ehemann Dieter Leipold, der gerade dabei war, seine “Bionade” auf den Markt zu bringen. Das Getränk wurde auch dank der Finanzspritze durchs Lottospiel zum Hit.
Selbst kleinere Gewinne haben für viele Zocker das Leben umgekrempelt. Und bis die Zahlen gezogen sind, kann jeder Tipper vom großen Glück zum kleinen Einsatz träumen. Selbst wenn es nicht klappt mit dem Tippschein sind zudem Staatskassen und gemeinnützige Zwecke die Gewinner, und davon profitiert fast jeder Bürger auf die eine oder andere Weise. Lotterien machen es möglich.