Dingolfing

Das meinen DGB und IG Metall: Gewerkschaften nötiger denn je

(ra) „Wie ist unsere Arbeitswelt heute gestaltet, wie wandelt sie sich und welche Möglichkeiten haben wir – besonders Politik, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft -, sie zu verändern“, das war das Thema des Vortrags über den Atlas der Arbeit der DGB-Organisationssekretärin Anja Wessely beim DGB-Kreisverband Dingolfing-Landau und der IG Metall Dingolfing am Donnerstag im Dingolfing Postbräu.

„Arbeit ist für die meisten Menschen mehr als nur der Broterwerb“, so Anja Wessely, Arbeit definiere in der Regel den gesellschaftlichen Status, nicht nur durch das Einkommen, sondern durch den Beruf selbst. Arbeiten zu können, bedeute ihrer Darstellung nach soziale Teilhabe und gesellschaftliche Integration. Arbeit sei keine Ware, deren Preis und Bedingungen willkürlich festgelegt werden können oder nur vom Markt bestimmt werden dürften. Arbeitsbedingungen und Löhne seien immer auch das Ergebnis politischer Entscheidungen, oft harter Konflikte und politischer Systeme.

Noch nie seien so viele Menschen in Deutschland in Arbeit gewesen, wie jetzt. Aber man müsse sich die Daten schon genauer anschauen, so Wessely. So seien die Erwerbsquoten und -formen sehr unterschiedlich, je nach Familienstand oder Geschlecht. Während der Niedriglohnsektor auf relativ hohen Niveau stagniere, seien die Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen, auch während er Finanzkrise deutlicher angestiegen, als die Arbeitnehmerentgelte. Gleichzeitig habe die Tarifbindung in den letzten 20 Jahren deutlich abgenommen.

Der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit ist nach den Worten der DGB-Sekretärin immer noch eine gute Ausbildung. Nur seien die Ausbildungsplätze sehr ungleich in Deutschland verteilt. Während in vielen Regionen Lehrlingsmangel herrsche, würden anderswo die Jugendliche keine passende Stelle finden. Auch würde Frauen immer noch deutlich weniger als Männer verdienen, was sich dann stark in der Rente auswirke. „Denn die Grundlage einer guten Rente sind die Arbeitseinkommen – und da ist noch Luft nach oben, insbesondere beim Mindestlohn“, so Wessely.

Gewerkschaften sind nach den Worten Wesselys notwendiger denn je: „Sie sind hier bei uns und weltweit wichtig, um die Arbeitsbedingungen der Gegenwart und der Zukunft mitzugestalten. Dort, wo sie stark sind, wo es die Mitbestimmung im Betrieb und im Aufsichtsrat gibt, geht es Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nachweislich besser.“

Gewerkschaften würde ihrer Darstellung nach nicht nur Lohnerhöhungen erreichen, sondern hätten auch zukunftsweisende Konzepte bei der Arbeitszeit, der Weiterbildung oder auch der Altersvorsorge. Sie würden politische Forderungen vorantreiben, wie die eines gesetzlichen Mindestlohns oder eines guten Arbeitsschutzstandards.