25. April 2025
Geiselhöring

SPD Geiselhöring reagiert auf aktuelle Apothekenschließung

(rp) Erneut griff die Geiselhöringer SPD ein brandaktuelles Thema auf. Die Frage „Wie viel Apotheke braucht der Mensch“ stellt sich derzeit der Bevölkerung Geiselhörings ebenso, wie die Frage „Mein Hausarzt ist weg, was nun?“ vor zwei Monaten. Am Donnerstag fand dazu in der Taverne Korfu eine weitere Dialog-Veranstaltung statt.

Führten einen interessanten Dialog: Stellvertretende SPD-Ortsvorsitzende Barbara Kasberger (3.v.rechts) und Schriftführer Rainer Pasta (links) mit den Apothekern Birgit Hlawa-Geiger (2.v.links), Maria Ammer (rechts), Thomas Hasenpusch (3.v.links) und PKA Caroline Stocker – Foto: Pasta

Wie sich im Gespräch herausstellte, hat zwar die Schließung der Marien-Apotheke nicht direkt mit der Schließung der Arztpraxis Roderer zu tun, aber die erfolglose Suche nach einem Nachfolger sehr wohl. Birgit Hlawa-Geiger, Sprecherin der Bayerischen Apothekerkammer, sowie die beiden Apotheker Maria Ammer und Thomas Hasenpusch stellten sich den Fragen der Veranstaltungsbesucher und diskutierten mit den Vertretern der Geiselhöringer SPD die aktuelle Situation vor Ort, aber auch den anstehenden Wandel im Berufsbild des Apothekers.

Nachdem sich erst vor kurzem 1400 Kassenpatienten einen neuen Hausarzt suchen mussten, und dies nicht immer am Ort gelang, sind es nun rund 2000 Kunden, die sich neu orientieren müssen, wenn sie Medikamente oder Rat und Beratung eines Apothekers brauchen. „Am 1. Juli schließt die Marien-Apotheke von Karl-Heinz Tins für immer“, fasste Schriftführer Rainer Pasta die Situation am Ort zusammen.

Zwei Apotheken in Geiselhöring reichen, aber …

Thomas Hasenpusch, Inhaber der St. Leonhard-Apotheke, versicherte, dass die betroffenen Kunden keine Sorge haben müssten, dass ihre Versorgung mit Medikamenten und die Aufrechterhaltung des Notdienstes nicht gewährleistet wären. „Zwei Apotheken können eine Stadt wie Geiselhöring gut versorgen“, so Hasenpusch, der sich nun auch die Versorgung des Seniorenheims mit Ralf Stierstorfer teilt. Anders als bei den Ärzten ist ein Apothekersitz nicht reglementiert und somit den „freien Kräften des Marktes“ unterworfen, erfuhren die Zuhörer seitens der Apothekenkammer.

In Deutschland kommen durchschnittlich etwa 2300 Einwohner auf eine Apotheke , so Birgit Hlawa-Geiger. Noch klingt das beruhigend, doch die Aussage von Thomas Hasenpusch, dass er „bereits seit neun Jahren in Rente sei“ und ebenfalls keinen Nachfolger finde, stellt die Situation vor Ort unter einem anderen Licht dar. Die Option, dass es in Geiselhöring in Zukunft nur noch eine Apotheke gibt, ist durchaus greifbar.

Damit erreichte die Diskussion ihren Höhepunkt: Warum ist es nicht möglich, einen Arzt und nun auch einen Apotheker nach Geiselhöring zu bekommen? „Ähnlich wie der Hausarztmangel ist auch das Apotheken-Sterben systembedingt“, bestätigte Hlawa-Geiger. Neben dem demographischen Aspekt, d.h. dass viele Apotheker altersbedingt aufhören, sind junge Apotheker nicht bereit, das Risiko einer Selbstständigkeit und der damit verbundenen Investitionen zu tragen, wenn das wirtschaftliche Überleben nicht klar gesichert sei. Die direkte Nähe zu einem Allgemeinarzt ist eine unabdingbare Voraussetzung für die wirtschaftlich sinnvolle Ansiedlung, so die Erfahrung der Straubinger Apothekerin.

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Jahrzehntelange Versäumnisse?

In Geiselhöring räche sich nun einmal mehr, dass seit Jahrzehnten versäumt wurde, die nötigen Voraussetzungen für eine ausreichende Arztansiedlung zu schaffen. Es habe nie einen ernstgemeinten Lösungsansatz gegeben, bestätigte SPD-Urgestein Franz Bayer. Ein Ärztezentrum oder ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit fachübergreifender Arztversorgung wäre für jeden Apotheker ein hervorragender Grund, sich in Geiselhöring nieder zu lassen, so Hlawa-Geiger. Wie die Ärzte, vermissen auch die Geiselhöringer Apotheker den regelmäßigen Austausch mit den Stadtoberen.

Ein baldiges Umschwenken der Politik zur Sicherung der Apothekenversorgung vor Ort sei dringend nötig. Ein, vor allem von der SPD in Bayern favorisiertes, Präventionsgesetz würde den Apothekern ein neues Betätigungsfeld eröffnen, so Rainer Pasta. Dem stimmten auch die Apotheker zu, denn gerade sie seien erster und kompetenter Ansprechpartner bei Gesundheitsproblemen oder Vorsorgemaßnahmen im Vorfeld einer Erkrankung. Natürlich müssten die Krankenkassen diese zusätzliche Beratungstätigkeit auch entsprechend honorieren. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Ärzten „auf Augenhöhe“ sei dafür aber auch nötig, so Hlawa-Geiger.