(ra) Der Bezirk Niederbayern treibt den Bau eines Resozialisierungshauses am Bezirkskrankenhaus Straubing voran. Der Bezirksausschuss hat am Donnerstag die Vorplanung einschließlich der Kostenschätzung gebilligt. Vorgesehen sind 24 Plätze für hochgelockerte Patienten sowie eine forensisch-psychiatrische Nachsorgeambulanz. Nach derzeitiger Planung soll der Bau 2028 beginnen und rund 30 Millionen Euro kosten.

Foto: Bezirk Niederbayern/Bäter

Das Gebäude soll außerhalb des bisherigen Sicherheitsbereichs an der südöstlichen Grenze des Klinikgeländes entstehen. Die Kosten übernimmt nach Angaben des Bezirks vollständig der Freistaat Bayern.

Warum Straubing ein Resozialisierungshaus bekommt

Das Bezirkskrankenhaus Straubing hatte im Maßregelvollzug lange einen Sonderstatus. Patienten wurden dort ursprünglich nicht gelockert, weshalb auch kein Resozialisierungshaus erforderlich war.

Das änderte sich mit der Neuordnung des Maßregelvollzugs durch das Bayerische Sozialministerium im Jahr 2019. Nach einer Übergangszeit erhielt Straubing denselben Versorgungsauftrag wie andere bayerische Maßregelvollzugseinrichtungen. Damit wurde auch eine Einrichtung notwendig, in der hochgelockerte Patienten auf ein Leben nach dem stationären Maßregelvollzug vorbereitet werden können.

Das geplante Haus soll deshalb bewusst einen relativ offenen Charakter bekommen. Vorgesehen sind 24 Einzelzimmer mit eigenen Nasszellen, darunter zwei barrierefreie Zimmer. Hinzu kommen Gemeinschaftsküchen und Speiseräume sowie Therapie-, Behandlungs- und Personalräume.

Ambulanz zieht ebenfalls ins neue Gebäude

Im Erdgeschoss soll eine forensisch-psychiatrische Nachsorgeambulanz untergebracht werden. Dort können Patienten nach erfolgreicher stationärer Behandlung beziehungsweise bei einer Aussetzung der Maßregel zur Bewährung ambulant weiterbetreut werden. Geplant sind unter anderem Behandlungs- und Therapieräume sowie Bereiche für Drogenscreenings und Substitutionsbehandlungen.

Eine Tiefgarage soll den zusätzlichen Parkplatzbedarf auffangen.

Prof. Dr. Joachim Nitschke, Ärztlicher Direktor des Zentrums für Forensische Psychiatrie Niederbayern, bezeichnet das Resozialisierungshaus als „unabdingbares Bindeglied zwischen stationärer Therapie und ambulanter Nachsorge“. Im Mittelpunkt stünden unter anderem Arbeit, Tagesstruktur, Wohnungssuche und der Aufbau eines sozialen Netzwerks.

Die schrittweise größere Selbstständigkeit der Patienten soll nach Darstellung der Klinik dazu beitragen, das Risiko erneuten Substanzmissbrauchs oder weiterer Straftaten nach der Entlassung zu verringern. Zugleich sollen weniger Personen täglich durch den Sicherheitsbereich des Bezirkskrankenhauses geschleust werden müssen.

Baubeginn für 2028 geplant

Als nächster Schritt folgt die Entwurfsplanung. Sie soll bis September 2027 abgeschlossen werden. Parallel können bereits vorbereitende Arbeiten auf dem Grundstück erfolgen. Auch der Bebauungsplan muss für das Vorhaben angepasst werden.

Der eigentliche Bau soll voraussichtlich 2028 beginnen. Für die Arbeiten werden derzeit rund zwei Jahre veranschlagt.