(ra) Warum wird ein Dekubitus an einer Klinik nicht mehr mit Honig behandelt? Weil irgendwann wissenschaftliche Erkenntnisse Einzug gehalten haben. Doch wie gelingt es, solche Erkenntnisse systematisch in die Praxis zu übertragen und damit sowohl Pflegekräften als auch Patientinnen und Patienten einen echten Mehrwert zu bieten? Mit dieser Frage und dem Informations- und Anpassungsprozess in der Pflege hat sich Verena Heim von den Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf in ihrem Masterstudium Pflegewissenschaft/Pflegemanagement beschäftigt.

Dieses hat sie begleitend zu ihrer Vollzeitstelle als Leitung der Pflegeentwicklung und Pflegewissenschaft als Fernstudium an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena absolviert. Mit Note 1,0 auf ihre Masterarbeit und Gesamtnote 1,1 zählt sie zu den Jahrgangsbesten. Christian Schwarz, Vorstand der Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf gratulierte ihm am Donnerstag im Namen des Kommunalunternehmens. Im Folgenden beantwortet Verena Heim einige Fragen zum Studium, ihrem Einsatzbereich und die Verbindung von Wissenschaft und Praxis.

Vorstand Christian Schwarz gratuliert Verena Heim zum erfolgreichen Masterabschluss Pflegewissenschaft/Pflegemanagement – Foto: Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf/Elisabeth Landinger

Frau Heim, was bedeutet der erfolgreiche Masterabschluss für Sie persönlich?

Für mich markiert er den Abschluss eines sehr intensiven und lehrreichen Kapitels meiner beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung und gleichzeitig den Beginn eines neuen Abschnitts mit zahlreichen Herausforderungen und Gestaltungsmöglichkeiten für die professionelle Pflege im Gesundheitswesen. Viel wichtiger als die sehr gute Abschlussnote sind für mich jedoch die Erkenntnisse, Kompetenzen und Perspektiven, die ich während des Studiums gewinnen konnte. Diese werden mich sowohl beruflich als auch persönlich nachhaltig begleiten und prägen.

Wie haben Sie es geschafft, Beruf, Studium und Privatleben miteinander zu vereinbaren?

Ich vergleiche diese Herausforderung gerne mit der Arbeit als Pflegefachperson in der direkten Patientenversorgung: Wenn nur begrenzte Zeit zur Verfügung steht und gleichzeitig viele Aufgaben anfallen, müssen Prioritäten gesetzt werden – in der Patientenversorgung unter anderem nach Dringlichkeit der Diagnostik und Behandlung. Ähnlich war es während meines Studiums. Zeitweise musste das Privatleben etwas zurückstehen. Natürlich waren auch bewusste Erholungsphasen wichtig. Grundsätzlich arbeite ich jedoch gerne strukturiert und zielorientiert und schließe begonnene Projekte konsequent ab.

Warum haben Sie sich für den Masterstudiengang Pflegewissenschaft/Pflegemanagement entschieden?

Die Verbindung von wissenschaftlichem Arbeiten und der praktischen Weiterentwicklung der Pflege passt optimal zu meinem beruflichen Ziel. Besonders prägend war die Leitung eines dreisemestrigen Forschungsprojekts, in dem ich wissenschaftliche Methoden in der Praxis anwenden sowie Führungs- und Projektmanagementkompetenzen vertiefen konnte. Lehrveranstaltungen zu klinischer Untersuchung und Beurteilung von Patientinnen und Patienten sowie zu Veränderungsprozessen und Mitarbeiterführung haben mir gezeigt, dass erfolgreiche Weiterentwicklung in der Pflege nicht nur Fachwissen, sondern vor allem die Einbindung und Motivation der Mitarbeitenden erfordert. Das berufsbegleitende Studium ermöglichte es mir außerdem, Theorie und Praxis direkt zu verknüpfen und vom Austausch mit erfahrenen Fachkräften aus ganz Deutschland zu profitieren. Bei Exkursionen in die USA und nach Kanada konnte ich zudem Visionen einholen, über den Tellerrand hinausblicken und außerhalb der Komfortzone lernen und Erfahrungen machen.

Wie hilft Ihnen das erworbene Wissen bei Ihren beruflichen Aufgaben?

Das Masterstudium unterstützt mich unmittelbar bei meiner täglichen Arbeit, wenn es darum geht, wissenschaftliche Erkenntnisse kritisch zu bewerten und in die Praxis zu übertragen, damit sie den Pflegekräften im Klinikalltag tatsächlich nutzen. Besonders wertvoll ist das bei der Entwicklung neuer Konzepte, der Überarbeitung von Pflegestandards und der Begleitung von Veränderungsprozessen. Außerdem hat das Studium meine Kompetenzen im Projektmanagement und in der Qualitätsentwicklung gestärkt. So kann ich Veränderungen fundiert planen und gemeinsam mit den Mitarbeitenden nachhaltig umsetzen. Davon profitieren letztlich auch unsere Patientinnen und Patienten, weil aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse in die Versorgung einfließen.

Gab es bereits während des Studiums Schnittpunkte?

Einige Fragestellungen aus meinem Arbeitsalltag konnte ich im Rahmen von Studienleistungen wissenschaftlich bearbeiten. Gleichzeitig konnte ich neue Erkenntnisse aus dem Studium unmittelbar in laufende Projekte und die praktische Arbeit an den Kreiskliniken einbringen, zum Beispiel bei einem umfangreichen Digitalisierungsprojekt. Diese direkte Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis war für mich einer der größten Mehrwerte des Masterstudiums. Sie hat dazu beigetragen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht theoretisch bleiben, sondern die Pflege im Klinikalltag konkret verbessern können.

Das Interview führte Elisabeth Landinger

Pflegeentwicklung und Pflegewissenschaft an den Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf