(ra) In den letzten zwei Jahren war die deutsche Wirtschaft von einer Kontraktion geprägt, doch dies ändert sich nun, da sich das Land von einer Beinahe-Rezession entfernt. Die jüngste Prognose der Europäischen Kommission deutet darauf hin, dass Deutschland in eine Phase moderaten Wachstums eintritt, mit einem erwarteten BIP-Wachstum zwischen ein Prozent und 1,2 Prozent in den Jahren 2026 und 2027.
Von Stagnation zu moderatem Wachstum

Die deutsche Wirtschaft hat eine längere Phase schleppenden Wachstums hinter sich. Nach der COVID-19-Pandemie hat das Land eine der langsamsten Erholungen unter den Industrienationen erlebt, wobei das reale BIP im Jahr 2024 in etwa auf dem Niveau von 2019 bleiben wird. Die Exporte gingen 2024 um 2,1 % zurück, womit sich der Trend eines sinkenden Exportmarktanteils, insbesondere im Vergleich zu China, fortsetzte.
Nach zwei aufeinanderfolgenden Jahren wirtschaftlicher Kontraktion prognostiziert die Europäische Kommission für 2025 ein nahezu unverändertes BIP, bevor sich das Wachstum 2026 und 2027 auf etwa 1 bis 1,2 Prozent verbessert. Dies wird als Beginn eines „neuen Wachstumszyklus” bezeichnet. Die Wirtschaft wird stärker von der Binnennachfrage und öffentlichen Investitionen als von den Exporten allein angetrieben werden. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) rechnet laut einem Bericht von Reuters ebenfalls mit einem BIP-Wachstum von etwa ein Prozent im Jahr 2026. Während höhere öffentliche Ausgaben für einen Aufschwung sorgen werden, dürften Handelskonflikte diese Gewinne durch eine Dämpfung der Exportleistung teilweise wieder ausgleichen. Das Wachstum der Reallöhne und expansive fiskalische Maßnahmen dürften ebenfalls die Ausgaben der privaten Haushalte ankurbeln.
Im März 2025 verabschiedete der Deutsche Bundestag eine umfassende Reform der Finanzpolitik. Die Reform nimmt Verteidigungsausgaben, die ein Prozent des BIP übersteigen, von den haushaltspolitischen Zwängen aus, richtet einen Sonderfonds in Höhe von 500 Milliarden Euro für Infrastruktur- und Klimainitiativen ein und lockert die Haushaltsbeschränkungen für die deutschen Bundesländer. Sowohl der Bundeshaushalt 2025 als auch der Bundeshaushalt 2026 berücksichtigen die durch diese Reform geschaffenen zusätzlichen finanzpolitischen Spielräume.
Die öffentlichen Ausgaben werden 2025 und 2026 voraussichtlich erheblich steigen. Das gesamtstaatliche Defizit dürfte von 2,7 Prozent des BIP im Jahr 2024 auf 3,1 Prozent im Jahr 2025 und 4,0 Prozent im Jahr 2026 ansteigen, was in erster Linie auf beschleunigte Investitionsprogramme und höhere Verteidigungsausgaben zurückzuführen ist. Der finanzpolitische Kurs wird 2026 deutlich expansiver ausfallen und durch neue steuerliche Anreize wie verbesserte Unternehmensabschreibungen und verschiedene Entlastungsmaßnahmen für Haushalte weiter unterstützt werden. Steigende Sozialausgaben im Zusammenhang mit der alternden Bevölkerung werden weiterhin strukturellen Kostendruck ausüben.
Die Inflation steht im Mittelpunkt der politischen Lage. Nach einem Anstieg im Jahr 2022 und einem starken Rückgang in den Jahren 2023 bis 2024 hat sich die Inflation in Deutschland nun knapp über dem Zielwert der EZB eingependelt. Eine Analyse der Daten für Januar zeigt, dass die Preise wieder über die Zwei-Prozent-Marke gestiegen sind. Es gibt jedoch keine Anzeichen für eine neue, breit angelegte Beschleunigung.
Die Bundesbank geht davon aus, dass die harmonisierte Inflationsrate in Deutschland von rund 2,3 Prozent auf etwa 2,2 % im Jahr 2026 sinken wird. Für 2027 erwartet sie dann eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent. Nach der Analyse der Bank wird sich dieser Trend bis 2028 fortsetzen. Dieser Kurs liegt nahe genug am Ziel, dass die EZB ihren „krisenbekämpfenden Inflationskurs” aufgeben kann. Die EZB kann stattdessen eine neutralere Haltung einnehmen. Sie kann sogar leicht unterstützend wirken, solange die Daten mitspielen. Für die Devisenmärkte und forex trading könnte eine neutralere Haltung die Volatilität des Euro verringern und gleichzeitig die Erwartungen hinsichtlich einer längerfristigen Stabilität stärken.
Öffentliche Ausgaben kurbeln Wachstum an, während Exporte hinterherhinken

Die Wirtschaftsleistung Deutschlands war 2025 uneinheitlich. Die Staatsausgaben, insbesondere für öffentliche Dienstleistungen, waren die Hauptwachstumsquelle, die vor allem durch Sozialprogramme und Ausgaben der Kommunalverwaltungen angetrieben wurde. In den ersten drei Quartalen stiegen die staatlichen Investitionen gegenüber dem Vorjahr um 3,2 Prozent, unterstützt durch erneute Ausgaben für Maschinen und Ausrüstung (plus 13 Prozent im Jahresvergleich). Da diese Ausgaben jedoch von einem niedrigen Niveau ausgingen, trugen sie nur 0,1 Prozentpunkte zum gesamten BIP-Wachstum bei. Gleichzeitig blieben die Konsumausgaben und Exporte während des gesamten Jahres 2025 schwach, wobei die Exporte besonders unter dem Rückgang des Handels mit den Vereinigten Staaten litten. Anhaltende Probleme auf den Exportmärkten setzten den Fertigungssektor weiterhin unter Druck, was sich in anhaltend niedrigen Auslastungsraten der Fabriken zeigte. Dennoch kam das BIP insgesamt nicht mehr weiter zurück und verzeichnete 2025 ein Wachstum von 0,3 Prozent, nachdem es 2023 und 2024 um 0,7 Prozent bzw. 0,5 Prozent zurückgegangen war.
Der Anstieg der Staatsverschuldung dürfte sowohl kontrollierbar als auch kurzfristig sein. Allerdings müssen mehrere langfristige Probleme gelöst werden, um zu verhindern, dass Arbeitskräftemangel und stagnierende Produktivität die Erholung blockieren. Die Sozialausgaben, die derzeit das Wachstum stützen, müssen verbessert werden, um die Haushalte nachhaltig zu halten. Außerdem ist die Kontrolle der Inflation, die weiterhin über dem europäischen Durchschnitt liegt, von entscheidender Bedeutung, um einen Verlust der Wettbewerbsfähigkeit zu vermeiden.
Ausblick deutet auf stetige Erholung hin
Deutschland scheint in eine stabilere Phase seines Konjunkturzyklus einzutreten, unterstützt durch eine expansive Geldpolitik und steigende öffentliche Investitionen. Prognosen deuten darauf hin, dass sich die Dynamik 2026 und 2027 verstärken wird, da sich das Wachstum vom öffentlichen Sektor auf Haushalte und Unternehmen ausweitet. Zwar bestehen weiterhin Unsicherheiten hinsichtlich des Handels und der globalen Nachfrage, doch deuten die aktuellen Signale auf eine allmähliche Trendwende für Europas größte Volkswirtschaft hin.
