(ra) Ostbayerns Handwerksbetriebe stemmen sich weiter gegen die ungünstige Wirtschaftslage. Zwar ist der Geschäftsklima-Index im vierten Quartal um acht Prozentpunkte auf minus fünf gesunken. Gleichzeitig investieren die Betriebsinhaber*innen weiter in ihre Unternehmen und Mitarbeitenden.

Dank der Investitionsbereitschaft in einzelnen Handwerksgruppen stieg die Quote der investierenden Betriebe zum Jahresende von 39 auf 41 Prozent. Die höchste Quote weist das Lebensmittelgewerbe mit 58 Prozent aus – einer der höchsten Werte der vergangenen Jahre. Bei der Beschäftigung hat sich die Dynamik in Richtung Wintermonate etwas abgeschwächt. Dennoch melden 13 Prozent der Betriebe eine höhere Beschäftigtenzahl gegenüber dem Vorquartal, ein Wert, der zum Jahresende in den vergangenen Jahren in der Regel nicht erreicht wurde.
Auch die Beurteilung der Gesamtgeschäftslage fällt geringfügig besser aus als ein Jahr zuvor: 35 Prozent der Betriebe bewerten die Lage als gut (Vorjahresquartal 31 Prozent), 43 Prozent als befriedigend. Der weitere Ausblick der Betriebsinhaber*innen hat sich jedoch erneut deutlich eingetrübt.
Der Anteil der Betriebe mit sinkenden Auftragseingängen stieg auf 36 Prozent. Der Auftragsbestand im Gesamthandwerk sank leicht auf 8,6 Wochen. Knapp ein Drittel der Betriebe (30 Prozent) bezeichnet die Nachfrage als für die Jahreszeit unterdurchschnittlich, besonders häufig betrifft das die Handwerke für den gewerblichen Bedarf (43 Prozent) sowie die Handwerke für den privaten Bedarf (37 Prozent). Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Umsätzen: 54 Prozent der Betriebe melden stabile Umsätze gegenüber dem Vorquartal, zugleich stieg der Anteil der Betriebe mit Umsatzeinbußen auf 30 Prozent.
Jürgen Kilger, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, bewertet die aktuellen Konjunkturdaten mit Sorge. „Sie liefern zum Jahresauftakt 2026 keine großen Anzeichen für den Beginn einer nachhaltigen Wachstumsphase. Um Wachstum und wirtschaftlichen Erfolg zu erreichen, müssen vor allem die Rahmenbedingungen und Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden. Hier sieht das Handwerk weiterhin erheblichen Verbesserungs- und Reformbedarf, der auf sämtlichen politischen Ebenen endlich entschlossen und mit klarer Ausrichtung auch auf den Mittelstand anzugehen ist.“

Die Eintrübung der Geschäftserwartungen für das erste Quartal 2026 führt Kilger vor allem auf eine weiterhin schwache Entwicklung bei den Neuaufträgen sowie eine mäßige Entwicklung der Umsätze zurück. „Unsere Betriebe stehen unter Druck – und das nicht erst seit gestern. Deshalb müssen wir so schnell wie möglich wieder auf Wachstumskurs kommen“, so Kilger.
Aktuell weisen nur zwei der sieben Handwerksgruppen einen positiven Geschäftsklima-Index aus: neben dem Ausbaugewerbe lediglich das Gesundheitsgewerbe. Zu den Betrieben mit rückläufigen Auftragseingängen zählen vor allem das Bauhauptgewerbe (46 Prozent) sowie die Handwerke für den gewerblichen Bedarf (45 Prozent).
Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, zollt der anhaltenden Investitionsbereitschaft Respekt: „Trotz der herausfordernden Gesamtsituation signalisiert hier ein Teil der Handwerksbetriebe Zuversicht und schafft mit Investitionen sowie der Einstellung neuer Mitarbeiter die Grundlage für die weitere wirtschaftliche Entwicklung.“ Es wäre „nur fair“, diesen kleinen und mittelständischen Betrieben „nun endlich Planungssicherheit und mittelstandsfreundlichere Rahmenbedingungen für mehr Wachstum“ zu bieten.
